Arbeitszeugnis => 10 wichtige Tipps f√ľr Arbeitnehmer ūüďĆ

Arbeitszeugnisse spielen im Bewerbungsprozess eine sehr wichtige Rolle. Ein schlechtes oder ein mangelhaft ausgestelltes Arbeitszeugnis in einer verschl√ľsselten Zeugnissprache kann die Einladung zu einem Vorstellungsgespr√§ch, Assessment-Center oder Einstellungstest verhindern. Deshalb solltest du am Ende eines Besch√§ftigungsverh√§ltnisses immer darauf achten, dass der Arbeitgeber ein gesetzeskonformes und m√∂glichst qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellt. Denn nur so erhalten die potenziellen Arbeitgeber ein ad√§quates Bild deiner Aufgaben, deiner Leistungen und deines Verhaltens bei fr√ľheren Anstellungen.

Das musst du wissen: 10 grundlegende Tipps zu jedem Arbeitszeugnis

‚ě§ 1. Anspruch

Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis ergibt sich aus den gesetzlichen Regelungen in ¬ß 630 BGB und ¬ß 109 GewO bzw. in ¬ß 16 BBiG (f√ľr Ausbildungsverh√§ltnisse). Es ist dabei unerheblich, wie lange das Besch√§ftigungsverh√§ltnis dauerte.

‚ě§ 2. Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis

Generell sind anfangs zwei Arten von Arbeitszeugnissen zu unterscheiden: einfaches Arbeitszeugnis und qualifiziertes Arbeitszeugnis. Gem√§√ü ¬ß 630 BGB und ¬ß 109 Gewerbeordnung ergibt sich die Pflicht des Arbeitgebers, dem ausscheidenden Mitarbeiter ein Arbeitszeugnis √ľber die Dauer und die Art des Arbeitsverh√§ltnisses zu erstellen. Dieses nennt sich dann einfaches Arbeitszeugnis.

Dar√ľber hinaus kann der Mitarbeiter ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen, sodass zum Arbeitszeugnis-Inhalt auch Leistung, Verhalten und F√ľhrung geh√∂ren.

‚ě§ 3. Aufforderung

Arbeitnehmer sollten ihren Arbeitgeber immer schriftlich auffordern, ein Arbeitszeugnis auszustellen. Diese Aufforderung sollte auch enthalten, ob ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis gew√ľnscht wird.

‚ě§ 4. Holschuld

Grundsätzlich ist der Arbeitnehmer verpflichtet, sein Arbeitszeugnis abzuholen. Der Arbeitgeber ist dagegen verpflichtet, es zum entsprechenden Zeitpunkt (letzter Tag des Beschäftigungsverhältnisses) auch bereitzuhalten.

Allerdings gibt es hinsichtlich der Holschuld Ausnahmen, wenn beispielsweise die Abholung unverhältnismäßig ist oder der Arbeitgeber das Arbeitszeugnis nicht rechtzeitig erstellt hat.

‚ě§ 5. Firmenpapier

Das Arbeitszeugnis muss auf offiziellem Firmenpapier erstellt werden. Dabei ist das Anschriftenfeld nicht auszuf√ľllen.

‚ě§ 6. Form

Das Arbeitszeugnis wird in schriftlicher Form erteilt: in Computerschrift und nicht handschriftlich. Ein Arbeitszeugnis in elektronischer Form ist nicht zulässig. Ein Arbeitszeugnis darf vom Arbeitgeber gefaltet werden, sofern es sich dann noch ohne Sichtbarkeit der Faltungsknicke kopieren lässt.

‚ě§ 7. Ausstellungsdatum

Aufgrund des Grundsatzes der wohlwollenden Zeugniserstellung muss bei einer ‚Äěordentlichen‚Äú Beendigung des Besch√§ftigungsverh√§ltnisses das Ausstellungsdatum mit dem Datum der Beendigung des Besch√§ftigungsverh√§ltnisses √ľbereinstimmen.

Das gilt auch f√ľr berichtigte oder f√ľr verz√∂gert erteilte Arbeitszeugnisse. Bei einem Zwischenzeugnis l√§sst sich das Ausstellungsdatum dagegen nicht negativ interpretieren und ist daher frei w√§hlbar.

‚ě§ 8. Umfang

Ein Arbeitszeugnis kann im Normalfall bis zu zwei Seiten umfassen. Bei langen Beschäftigungsverhältnissen mit umfangreichen Tätigkeits- und Verantwortungsbereichen kann ein Arbeitszeugnis auch bis zu vier Seiten umfassen.

‚ě§ 9. Unterschrift

Das Arbeitszeugnis muss selbstverständlich unterschrieben werden; und zwar handschriftlich von einem Vorgesetzten. Der konkrete Unterzeichner muss identifizierbar sein, sodass die Namensangabe zusätzlich auch in Maschinenschrift erfolgen sollte. Außerdem ist die Angabe der Funktion des Unterzeichners ratsam.

‚ě§ 10. Aufbewahrung

Ein Arbeitszeugnis muss sehr pfleglich behandelt und aufbewahrt werden, sodass es auch nach Jahren keine Knicke und Flecken enthält und in einem Vorstellungsgespräch als Originaldokument vorgezeigt werden kann.

Weitere Tipps zum Arbeitszeugnis:

Essenzielle Kriterien f√ľr die Arbeitszeugnis-Erstellung

Der Inhalt eines Arbeitszeugnisses muss vor allem vollst√§ndig, verst√§ndlich, wahrheitsgem√§√ü und dabei wohlwollend sein. Diese Kriterien erm√∂glichen ein weites Feld f√ľr Formulierungen, sodass Arbeitsgerichte immer wieder zwischen den beteiligten Parteien vermitteln m√ľssen.

Der Arbeitgeber ist prinzipiell dazu verpflichtet, alle wesentlichen Fakten zur Beurteilung des Mitarbeiters in das Arbeitszeugnis aufzunehmen und somit zuk√ľnftige potenzielle Arbeitgeber √ľber die Leistungen und Eigenschaften der ausscheidenden Mitarbeiterin zu informieren. Der Interpretationsspielraum von Beurteilungen ergibt sich dadurch, wie bestimmte Leistungen behandelt, gewichtet und benotet werden.

Da ein Arbeitszeugnis f√ľr zuk√ľnftige Arbeitgeber eine Entscheidungsgrundlage f√ľr die Einstellung neuer Mitarbeiter darstellt, darf der alte Arbeitgeber wesentliche Punkte des Arbeitsverh√§ltnisses nicht verschweigen. Dies betrifft vor allem negative Vorkommnisse. Diese d√ľrfen weder weggelassen noch unzutreffend beschrieben werden. Au√üerdem sind widerspr√ľchliche, verschl√ľsselte oder doppelb√∂dige Formulierungen im Arbeitszeugnis nicht zul√§ssig.

Die Erstellung eines Arbeitszeugnisses mit Wohlwollen beinhaltet also nicht das Verbot einer negativen Beurteilung, da ein Arbeitszeugnis der Wahrheit entsprechen muss. Allerdings sind negative Leistungen und Eigenschaften in einer ad√§quaten Weise in das Arbeitszeugnis aufzunehmen. Dar√ľber hinaus beinhaltet die Wahrheitspflicht auch, dass es im Arbeitszeugnis keine Auslassungen geben darf, wo positive Hervorhebungen erwartet werden.

Denke schon bei der Einstellung an das zuk√ľnftige Arbeitszeugnis

Die meisten Arbeitnehmer machen sich erst dann Gedanken √ľber ein gutes bis sehr gutes aussagekr√§ftiges Arbeitszeugnis, wenn sie sich bewerben wollen. Dann ist es aber h√§ufig zu sp√§t, ein durchschnittliches, schlechtes oder unvollst√§ndiges Arbeitszeugnis √§ndern zu lassen.

Deshalb solltest du dazu √ľbergehen

  • regelm√§√üig (halbj√§hrlich, j√§hrlich) Mitarbeitergespr√§che mit Vorgesetzten zu f√ľhren,
  • deine vorhandenen Arbeitszeugnisse sofort bei Ausstellung zu √ľberpr√ľfen und
  • bei Bedarf (je nach den gegebenen Voraussetzungen) Zwischenzeugnisse anzufordern.

‚ě§ Feedback durch Mitarbeitergespr√§che

Durch solche Mitarbeitergespr√§che erh√§ltst du ein Feedback √ľber deine eigene Arbeitsleistung vom Arbeitgeber. Halte dieses Feedback immer schriftlich fest und lasse es in deiner Personalakte vermerken. Diese Mitarbeitergespr√§che sind dann eine wichtige Grundlage f√ľr die sp√§tere Zeugniserstellung. Ein Arbeitgeber kann dich sp√§ter in Arbeitszeugnissen nicht schlechter als in den Mitarbeitergespr√§chen bewerten.

Ob es solche regelm√§√üigen Mitarbeitergespr√§che gibt, kannst du schon im Vorstellungsgespr√§ch erfragen. Wenn es solche Mitarbeitergespr√§che n√§mlich nicht gibt, dann kann das ein Anzeichen daf√ľr sein, dass der Arbeitgeber die Themen Personalentwicklung und Mitarbeiterzufriedenheit nicht so stark priorisiert.

‚ě§ Ausgestellte Arbeitszeugnisse zeitnah √ľberpr√ľfen

Des Weiteren solltest du jedes Arbeitszeugnis √ľberpr√ľfen: auf Codes, Richtigkeit, Interpretationsspielr√§ume, fehlende Angaben, Plausibilit√§t und Geheimsprache. Lasse das Arbeitszeugnis daher auch von anderen Personen gegenlesen. Wenn in deiner Branche das Arbeitszeugnis eine hohe Bedeutung hat, dann nimm eine professionelle Arbeitszeugnisbewertung in Anspruch.

Wenn du mit Formulierungen im Arbeitszeugnis nicht einverstanden bist und die Frist f√ľr √Ąnderungsw√ľnsche noch nicht verstrichen ist, dann suche den Arbeitgeber zu einem Gespr√§ch auf, um dir die strittigen Formulierungen erkl√§ren zu lassen.

Falls du danach immer noch nicht mit den verwendeten Formulierungen einverstanden bist, schlage alternative S√§tze vor, die deiner Meinung nach der Wahrheit entsprechen. Dass du diese Formulierungsvorschl√§ge f√ľr eine √Ąnderung deines Arbeitszeugnisses machst, ist sehr wichtig. Du kannst sogar anbieten, das gesamte Arbeitszeugnis selbst zu formulieren.

‚ě§ Regelm√§√üig Zwischenzeugnisse anfordern

W√§hrend eines befriedigenden Besch√§ftigungsverh√§ltnisses denkst du vielleicht noch nicht an den n√§chsten Jobwechsel. Aber ein Bewerbungsprozess kann schneller erforderlich sein, als du denkst. Dann ist es immer gut, schon ein aktuelles Zwischenzeugnis den Bewerbungsunterlagen beilegen zu k√∂nnen. Deshalb fordere vom Arbeitgeber die Ausstellung von Zwischenzeugnissen an, wenn die Voraussetzungen daf√ľr erf√ľllt sind.

Geheimsprache in Arbeitszeugnissen

Die Frage hinsichtlich einer Geheimsprache bzw. diversen Geheimcodes in Arbeitszeugnissen ist etwas obskur, denn es sind unz√§hlige B√ľcher √ľber dieses Thema geschrieben worden. So kann die Annahme eines Geheimnisses schon alleine aus diesem Grund so nicht mehr aufrechterhalten werden.

Au√üerdem suggeriert diese Vorstellung, dass es wirklich geheime Absprachen zwischen Arbeitgebern geben w√ľrde. Da viele Arbeitgeber sich selbst in dieser angeblichen Geheimsprache gar nicht auskennen, steht die Vorstellung einer Geheimsprache eher auf t√∂nernen F√ľ√üen.

Und diejenigen Arbeitgeber, die sich auszukennen scheinen, liegen in ihrer Verkn√ľpfung zwischen einer subjektiven Beurteilung des Arbeitnehmers und der Ableitung entsprechender Formulierungen sehr oft daneben. Viele typische “Fehler” bei der Arbeitszeugniserstellung entstehen eher aus Unwissen.

Wenn du dich aber auf die Geheimsprache und Geheimcodeseinlassen und an ihre Wirkung glauben willst, dann solltest du die wichtigsten Punkte kennen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Formulierungen sind allerdings h√§ufig nur sehr gering, sodass sogar Arbeitszeugnisexperten √ľber viele Bewertungen kein einwandfreies Urteil abgeben k√∂nnen.

Folgende Sachverhalte und Formulierungen k√∂nnen ein Anzeichen daf√ľr sein, dass eine negative Bewertung verschl√ľsselt wird:

  • Einer der h√§ufig benutzten Codes in einem Arbeitszeugnis ist einfach das Weglassen bzw. Reduzieren von positiven Formulierungen, was dem Bewerber als negativ ausgelegt werden kann.
  • Sehr kurzes Arbeitszeugnis.
  • Weglassen notwendiger Sachverhalte, die unmittelbar zur Stelle geh√∂ren.
  • Betonung von Selbstverst√§ndlichkeiten, die mit der eigentlichen Arbeit nichts zu tun haben.
  • Falsche Reihenfolge der durchgef√ľhrten Aufgaben. Richtige Reihenfolge: Die wichtigsten Aufgaben und Aufgabenbereiche werden zuerst genannt.
  • Widerspr√ľchliche, einschr√§nkende oder uneindeutige Formulierungen.
  • Formulierungen √ľber die Bereitschaft, aber nicht √ľber den Erfolg.

Bewerbung mit einem ‚Äěschlechten‚Äú oder einem noch nicht ausgeh√§ndigten Arbeitszeugnis

Viele Bewerber bemerken erst nach einiger Zeit, dass ein ausgestelltes Arbeitszeugnis nicht den g√§ngigen Anspr√ľchen entspricht und unter Umst√§nden eine nur durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Gesamtbewertung enth√§lt.

Außerdem kommt es häufig vor, dass Arbeitgeber sich mit der Ausstellung eines Arbeitszeugnisses gesetzeswidrig Zeit lassen. In einigen Fällen verzögern Arbeitgeber den Prozess der Arbeitszeugnis-Erstellung auch bewusst, um dem Arbeitnehmer zu schädigen.

Prinzipiell kannst du bei der Auswahl deiner Arbeitszeugnisse f√ľr die Bewerbungsunterlagen frei entscheiden. Denn du brauchst nicht alle Arbeitszeugnisse deines gesamten Berufslebens mitschicken.

Bei der Auswahl solltest du dich an folgenden Kriterien orientieren: Je l√§nger ein Besch√§ftigungsverh√§ltnis zur√ľckliegt, je k√ľrzer es dauerte und je weniger vergleichbar es mit den Aufgaben der angestrebten Stelle ist, desto eher musst du das betreffende Arbeitszeugnis daf√ľr nicht mitschicken.

Denn es geht beim Bewerben nicht in erster Linie um das Beweisen des Lebenslaufes, sondern um die Darstellung deiner Qualifikationen, deiner Berufserfahrungen und deines Fachwissens. F√ľr ein Vorstellungsgespr√§ch solltest du allerdings alle verf√ľgbaren Arbeitszeugnisse mitbringen, um sie bei Bedarf vorzuzeigen.

Wenn du die letzten drei aktuellen Arbeitszeugnisse mitschickst, dann wird kein vern√ľnftiger Arbeitgeber dir unterstellen, etwas verschweigen zu wollen. Wenn dir das Arbeitszeugnis aus dem letzten Besch√§ftigungsverh√§ltnis noch fehlt, dann mache dazu im Lebenslauf eine kurze Bemerkung, dass das Arbeitszeugnis nachgereicht werden kann. Im Artikel Bewerbung ohne Arbeitszeugnis findest du dazu noch weitere hilfreiche Tipps.

Schlussbemerkung zum Arbeitszeugnis

Zu jeder Bewerbung geh√∂ren Arbeitszeugnisse, die etwas √ľber die Leistungsbereitschaft, die Leistungsf√§higkeit und das Verhalten des Bewerbers in fr√ľheren Besch√§ftigungsverh√§ltnissen aussagen.

Aus einem Arbeitszeugnis kann der potenzielle Arbeitgeber wichtige Schlussfolgerungen ziehen. So kann er besser nachvollziehen, ob der Bewerber aufgrund der bisher durchgef√ľhrten Arbeiten und der entsprechenden Beurteilung in der Lage ist, den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle zu entsprechen.

Falls du noch weitere Fragen zum Arbeitszeugnis hast, dann schreibe einen Kommentar oder einen Beitrag im Bewerbungsforum in der Rubrik Zeugnisse und Nachweise.

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